• Bettina

Rundreise durch Kolumbien


Mit Kolumbien verbinde ich Abenteuer, Karibiksonne, Dschungel und gigantische Natur. Selten habe ich auf einer Reise so viel Abwechslung erlebt. Ich hätte Monate in Kolumbien verbringen können, jedoch ging es bereits nach einer zweiwöchigen Rundreise weiter gen Süden zum kleinen Nachbar Ecuador.

Da steht man nun in Bogotá, der kolumbianischen Hauptstadt, ohne Gepäck und ohne Spanischkenntnisse. Mein Rucksack konnte in Amsterdam während meines kurzen Aufenthalts nicht umgeladen werden und ist in Panama gelandet. Mit einem Notfallset (weißes überdimensioniertes T-Shirt, Zahnbürste und -pasta) und meinem Handgepäck lasse ich mich für teure 30.000 COP zum Hostel chauffieren. Der Taxifahrer unterhält mich auf spanisch - ich verstehe nichts und lächle einfach nur. Das Mädel an der Rezeption spricht auch kein Wort englisch, so dass die Erklärung zu meinem Gepäckproblem komplett überflüssig ist. Am nächsten Tag wird mein Rucksack schließlich vom Flughafenpersonal vorbeigebracht und es kann losgehen.

1. Bogotá

Eingebettet in einen Talkessel im kolumbianischen Hochland liegt auf 2.640 m Höhe die Hauptstadt Kolumbiens. 6,7 Mio. Menschen sind in dieser Metropole zu Hause. Restaurierte Kolonialbauten und bunte Graffities zeichnen das historische Altstadtviertel "La Candelaria". An Sonntagen ist das Stadtzentrum zudem autofrei. Dann werden die Straßen von Radfahrern, Joggern und Spaziergängern eingenommen. Ziemlich cool, wie ich finde.

Auch wenn das Thermometer gerade einmal 20 °C anzeigt, knallt die Sonne ziemlich. Wir holen uns direkt am ersten Tag einen mächtigen Sonnenbrand. Purer Leichtsinn, wenn man auch nur 5 Sekunden über die Höhe nachdenkt, auf der wir uns befinden.

Noch etwas höher hinaus gelangt man auf dem Pilgerberg Cerro de Moserrate. Es gibt einen Fußweg nach oben oder alternativ die Seilbahn (9.000 COP). Der Ausblick auf die Stadt ist einmalig!

2. Taganga

Von Bogotá an die Küste, genauer gesagt nach Santa Marta, fliegen wir, um Zeit zu sparen und diese lieber an der Küste zu verschwenden. Nichts ist so unkompliziert wie die Nutzung der öffentlichen Verkehrsmittel in diesem Land. Mit dem Colectivo, das sind diese kleinen Busse, die dich am Straßenrand aufsammeln und wieder aussteigen lassen, wo auch immer du willst, fahren wir vom Flughafen in die Stadt und weiter mit dem Taxi nach Taganga. Taganga ist ein einstiges kleines Fischerdorf, 5 km von Santa Marta entfernt. Die Bucht ist eine beliebte Destination für Backpacker. Man kann hier Tauchkurse belegen oder den Ort als Ausgangspunkt für eine Tour in den Tyrona Nationalpark nutzen. Letzteres war für uns der Grund, warum wir in Taganga gelandet sind.

3. Santa Marta und Tayrona Nationalpark

Früh am Morgen fahren wir mit dem Colectivo von Taganga nach Santa Marta, Südamerikas älteste noch bestehende Stadt, wo wir an den Straßenständen unser Frühstück aus Empanadas und frischen Früchten genießen.

Nach ungefähr einer Stunde Busfahrt kommen wir am Tayrona Nationalpark an. Der Nationalpark erstreckt sich über 35 km entlang der Karibikküste. Am Eingang trifft uns der Schlag, als wir abgewiesen werden, weil wir unsere Reisepässe sicherheitshalber in der Unterkunft gelassen hatten. Ohne Reisepass kein Eintritt in den Park. Ein Fahrer eines Shuttlebusses gibt sich als der für uns verantwortliche Führer aus und besorgt uns die Eintrittsbändchen (42.000 COP). Nach einem kurzen Stück mit dem Shuttleservice machen wir uns zu Fuß auf den Weg durch den Dschungel. Auf den Kokospalmen und Bananenstauden fühlen sich Echsen, Leguane und Affen wohl.

An der Bucht von Arricifes essen wir zu Mittag. Weiter geht es bis zum Cabo San Juan. Nach langem Hin und Her, weil auch für die Übernachtung ein Reisepass unabdingbar ist, bekommen wir doch noch ein Zelt mit Matratze (25.000 COP). Man kann theoretisch auch in Hängematten schlafen, jedoch waren diese bereits alle vergriffen.

Da das Meer ziemlich rauh ist, kann man nicht überall baden. Die Bucht am Cabo San Juan jedoch ist traumhaft schön. Wir liegen am Strand, während die Pelikane über uns hinweg fliegen.

Am nächsten Tag gegen Mittag machen wir uns auf den Rückweg durch den Dschungel. Diesmal endecken wir sogar ein Wasserschwein - das sind diese Tiere, die aussehen wie übergroße Meerschweinchen.

4. Cartagena

Nach einer fünfeinhalbstündigen Busfahrt ab Santa Marta (24.000 COP) erreichen wir die hübsche aber touristische Kolonialstadt Cartagena. Eine weitere Stunde Zeit kostet uns die Busfahrt vom Busbahnhof ins Zentrum. Die Altstadt, die von einer jahrjundertealten Stadtmauer eingefriedet ist, wurde zum UNESCO Welterbe erklärt. Die Befestigungsanlagen resultierten aus mehreren Belagerungen durch Piraten. Der Hafen von Cartagena war von großer Bedeutung in der Karibik und für Verschiffungen nach Spanien. Nach der Zerstörung infolge eines Großbrandes im 16. Jahrhundert waren schließlich nur noch Stein, Ziegeln und Kacheln als Baumaterialien erlaubt.

Neben den massiven Bauwerken mit den von Pflanzen überwuchernden Balkonen machen Leckereien wie Arepas und Cocktails aus frischen Früchten diese Stadt so besonders.

5. Medellín

Medellín ist mit 3 Mio. Einwohnern die zweitgrößte Metropole Kolumbiens. Einst zählte sie zu einer der gefährlichsten Städte der Welt - heute kommt Medellín ziemlich lässig rüber, erhielt sogar vor einigen Jahren die Auszeichnung "innovativste Stadt der Welt". Unter Pablo Escobar wurde Medellín in den 80er Jahren zum Zentrum des internationalen Kokainhandels, erreichte die höchste Mordrate aller Nationen, Schießerein sollen an der Tagesordnung gewesen sein. Erst mit Escobars Tod fand diese enorme Gewalt und Kriminalität ein langsames Ende.

Heute schallt Salsa durch die Straßen von El Poblado. Zahlreiche Clubs und Bars animieren zum ausgelassenen Feiern in dem Viertel.

Vom Cerro Nutibara hat man eine grandiose Aussicht auf die "Stadt des ewigen Frühlings". Pueblito Paisa ist eine Miniaturausgabe einer typischen Gemeinde der Provinz Antioquia, ganz oben auf dem 80 m hohen Hügel.

Ein wirkliches Highlight war das Paragliden in San Felix. Mit der Metro in Medellín fährt man zum Portal del Norte und weiter mit dem Bus nach San Felix. Die Anfahrt dauert mehrere Stunden, lohnt sich jedoch absolut. Für einen zehnminütigen Flug zahlt man 95.000 COP, mit Foto- u. Filmaufnahmen 125.000 COP.

Mit einem Militärbus fahren wir kostenlos zurück nach Medellín. Eine dieser glückliche Situationen, während wir wartend an der Straße sitzen und der Fahrer uns fragt, ob wir nicht einsteigen wollen.

6. Rio Claro

Wieder einmal verbringen wir lange 4 Stunden im Bus (23.000 COP) über Berg und Tal von Medellín zum Rio Claro. Die Unterkunft im Naturreservat am Fluss ist einmalig, jedoch auch nicht ganz billig. Für 90.000 COP sind allerdings der Eintritt, drei Mahlzeiten und Dschungel-Feeling inklusive.

Am nächsten Morgen nehmen wir an einer Höhlenwanderung (20.000 COP) in der Schlucht des Rio Claro teil. Die dreistündige Tour macht richtig Laune, auch wenn der Fettschwalm, ein seltener Vogel, am Höhlenein- und Ausgang laut kreischend auf manche Teilnehmer herunter*** - ihr wisst schon. Man watet größtenteils durch Wasser, muss Höhenunterschiede überwinden, indem man springt oder rutscht. Das alles ist ein riesen Spaß.

Auch mit Rafting, Seilrutsche über den Fluss und Schwimmen kann man sich hier die Zeit vertreiben.

7. Kaffeefarm Hacienda Guayabal bei Manizales

Bis Manizales sind wir vom Rio Claro über Honda wieder einmal sieben Stunden mit dem Bus unterwegs (insgesamt 50.000 COP). Wir fahren weiter durch die grüne Berglandschaft über Chinchiná zur Kaffeefarm Hacienda Guayabal.

Wir erhalten eine Führung durch die Plantagen, dürfen auch einmal selbst Kaffeebohnen pflücken und lassen uns den Ablauf von der Saat bis zur Trocknung der geernteten Bohnen zeigen.

Nach sechs Monaten werden die Jungpflanzen gesetzt, alle sieben Jahre erfolgt ein Rückschnitt bis die Pflanzen schließlich nach 21 Jahren ausgedient haben. In Kolumbien werden lediglich Arabica-Bohnen angebaut. Die beste Qualität wird exportiert, die schlechteste Ernte bleibt im eigenen Land. Als wir da sind ist Erntezeit. Ein Erntehelfer pflückt an einem Tag etwa 200 kg und verdient damit 25 €.

Der Besuch wird abgerundet mit einer Kaffeeprobe und einem leckeren Mittagessen. Die Lage der Farm ist einmalig schön.

8. Los Nevados Nationalpark

Es ist gerade mal 5:00 Uhr, als wir mit einem Geländewagen abgeholt und ca. 3 Stunden über holprige Bergstraßen zum Los Nevados Nationalpark gefahren werden. Auf einer abgelegenen Farm bekommen wir ein leckeres Frühstück.

Unsere Gruppe besteht aus 8 Personen und einem Guide. Wir starten unsere Wanderung auf 4.100 m Höhe und steigen auf zum Gletscher des Nevado de Santa Isabel auf 4.800 m. Die Höhenluft macht die Wanderung beschwerlich. Zudem zieht ein Gewitter auf, was von Graupel- und Regenschauern angekündigt wird. Oben am Gletscher ist es trüb, sodass wir leider keine Aussicht haben, dafür sind die Berge weiß durch den Schnee-Graupel, was unserem Guide ganz besonders gefällt. Unsere Hände sind eiskalt, die Kleider durchnässt. Trotzdem ist die Wanderung in diesen Höhen ein einmaliges Erlebnis.

Auf dem Rückweg machen wir wieder an der Farm Rast. Eine heiße Suppe kommt uns sehr gelegen. Abends fallen wir totmüde ins Bett.

Die Tour kostet inkl. Fahrer und Essen 170.000 COP pro Person.

9. Tatacoa-Wüste

Die Busfahrt durch die Anden von Manizales nach Neiva (64.000 COP) beansprucht mehr als 10 Stunden. Von Neiva zur Tatacoa-Wüste gelangt man für 15.000 COP mit dem Colectivo. Von der Eiseskälte am Vortag wechseln wir in die glühende Hitze. Die Formationen und Farben der Tatacoa-Wüste bilden ein einmaliges Landschaftsbild.

Mit der Tatacoa-Wüste erreichen wir unser letztes Ziel in Kolumbien, bevor es weiter nach Ecuador geht. Wir benötigen etwa 7 Stunden bis Mocoa, mindestens genauso lange für die sehr bergige Fahrt nach Ipiales und von dort mit dem Taxi an den Grenzübergang.

Trotz der vielen Stunden, die wir in Bussen verbrachten, sind wir uns am Ende der Rundreise durch Kolumbien einig, dass sich jedes einzelne Ziel gelohnt hat. Wir haben jede Wetter- und Höhenlage, die dieses Land zu bieten hat, miterlebt, herzliche und hilfsbereite Menschen getroffen, ein paar Worte Spanisch gelernt und Salsaklängen gelauscht. Die Tage vergingen viel zu schnell, so manche Partynacht ebenfalls. Der Trennungsschmerz kann einzig und allein durch die Vorfreude auf Ecuador gelindert werden.

#Kolumbien #Südamerika #Backpacking #Wandern #Fernreise

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