• Bettina

Ecuador, oh Ecuador


Im März 2016 waren wir insgesamt 3 Wochen in Kolumbien und Ecuador unterwegs. Zwei Wochen verbrachten wir davon in Kolumbien, was natürlich vor allem der Größe des Landes, aber auch unserer Begeisterung geschuldet war. Als wir dann die ersten Schritte auf ecuadorianischen Boden setzten, merkten wir schnell, wir könnten uns auch in dieses Land verlieben.

Die Grenze passieren wir bei Tulcan. Man kann mit dem Bus bis Ipiales fahren, von dort weiter mit einem Taxi zur Grenze, bekommt einen Ausreisestempel für Kolumbien, geht zu Fuß über die Grenze und durchläuft dann das Einreiseprozedere in Ecuador. Ein Visum ist nicht erforderlich - der Reisepass genügt.

Der Grenzübertritt gelingt daher schnell und unkompliziert. Auch hier warten bereits Taxis, mit welchen man beispielsweise nach Tulcan und von dort weiter Richtung Quito gelangt. Die Busfahrt nach Quito dauert knapp 6 Stunden und kostet $ 6,10 (Stand 2016). Unser Problem war lediglich, dass wir noch keine US-Dollar besaßen und das Taxi direkt an einem Geldautomaten auslösen mussten.

Unsere Zeit in Ecuador verbrachten wir nicht nur in schwindelerregenden Andenhöhen, sondern auch im Dschungel des Amazonas-Gebietes. Obwohl dieser Teil unserer Reise das meiste Budget beanspruchte, würde ich das Erlebnis keinesfalls missen wollen. Aber beginnen wir am Anfang.

Quito - die höchste Hauptstadt der Welt

Guayaquil überbietet zwar die Einwohnerzahl Quitos, aber höhentechnisch macht dieser Stadt keiner etwas vor. Mit 2.850 m über dem Meeresspiegel bettet sich Quito in einen Talkessel der Anden, umringt von Bergen und Vulkanen.

Im März, als wir da waren, ist es kühl. Wir nutzen die Zeit in Quito unter anderem zur Planung der nächsten Tage, sitzen hierfür bei leckerem Kuchen in Cafés, während es draußen einmal wieder regnet. Sobald sich die dunklen Wolken verziehen, geht es auf Erkundungstour.

Die Altstadt wirkt mit ihren dominanten weißen Kolonialbauten sehr mächtig und vornehm. Durch Zufall sind wir, wie auch schon in Bogotá, an einem Sonntag in der Hauptstadt. Und wieder zeichnet sich das gleiche Bild ab: die Innenstadt ist autofrei und den Fußgängern, Fahradfahrern und Sportlern vorenthalten. Am Platz der Unabhängigkeit werden traditionelle ecuadorianische Tänze aufgeführt. Im Park Carolina verbringen Familien ihre Freizeit bei Fußball, Picknick und Wettläufen, bevor sie sich an den vielen Essensständen einen Imbiss gönnen. Der Park geht über in einen botanischen Garten, durch den es sich gemütlich schlendern lässt.

Seit dem Jahr 2005 ist die Seilbahn TelefériQo in Betrieb, mit der man bequem auf Quitos Hausberg Pichincha gelangt ($ 8,00). Von der Talstation am Stadtrand auf 3.050 m geht es etwa 1.000 Höhenmeter nach oben. Sowohl der Betreiber der Seilbahn als auch die Tourismus-Seiten lassen die Bergstation wohl gerne etwas höher liegen. Die Wahrheit wird bei etwa 4.000 m zu finden sein. Jedenfalls ist es hoch - verdammt hoch! Man hat das Gefühl, den Himmel berühren zu können. Bei klarer Sicht kann man die Vulkane Cotopaxi, Cayambe und Antisana sowie die umliegende Berglandschaft sehen. Traumhaft.

Kratersee Quilotoa

Quiliotoa ist etwa 4 Stunden von Quito entfernt und bezeichnet eine Caldera (Vulkankessel) und den darin liegenden Kratersee. Die Anfahrt erfolgt mit dem Bus über Latacunga ($ 2,15), weiter nach Zumbahua ($ 1,50) und das letzte Stück mit dem Taxi ($ 5,00) bis zum Vulkan. Mit einem Auto ist man sicher schneller unterwegs, weil man nicht an jedem fünften Feld anhält, um eine Bauernfamilie ein- oder aussteigen zu lassen. Dennoch ist die Fahrt durch das zentrale Hochland landschaftlich reizvoll. Hier gibt es viele kleine Bergdörfer mit Lamas, Schweinen und sonstigem Getier. Die Frauen sind oftmals traditionell gekleidet, mit Hut, langen geflochtenen Zöpfen, der typischen Tracht und ihren Kleinkindern auf dem Rücken.

Der höchste Punkt des Vulkans liegt auf beachtlichen 3.914 m Höhe. Je nachdem wie viel Zeit man hier verbringen möchte, kann man entweder zum türkisblauen See absteigen oder den sogenannten Quilotoa-Loop, einen drei- bis viertägigen Rundweg um den Krater, zurücklegen.

Da wir nur für einen Tagesausflug hier sind, steigen wir lediglich ab zum See und danach wieder den gleichen Weg nach oben. Der Rückweg dauert deutlich länger - jeder einzelne Höhenmeter macht es beschwerlich. Um nicht höhenkrank zu werden rät man uns, langsam und gleichmäßig zu atmen und uns nicht zu warm anzuziehen.

Theoretisch kann man sich auch auf dem Rücken von Maultieren nach oben tragen lassen. Niemals werde ich so etwas jedoch unterstützen. Die Tiere sind nassgeschwitzt und werden den ganzen Tag an der Hand von Kindern (!) nach unten und oben gejagt. Ich frage mich, wer diese Bequemlichkeit mit seinem Gewissen vereinbaren kann.

Der Eintritt zum Krater kostet $ 2,00. Am Parkplatz gibt es mehrere Restaurants und Souvenir-Shops.

Kontrastprogramm Amazonas-Gebiet

Um uns die Anfahrt durch die Berge zu ersparen buchen wir einen Flug von Quito nach Lago Agrio (30 Min.). Beim Aussteigen aus dem Flugzeug laufen wir wie gegen eine Wand. Hier herrscht ein völlig gegensätzliches Klima. Es ist tropisch und feuchtwarm, man ist umgeben von Regenwald statt Bergen. Wir fahren mit dem Bus ca. 2 Stunden nach El Coca ($ 3,75), wo man uns anstarrt, als wären wir die ersten Fremden, die hier her kommen. Sicherlich ist dies nicht der Fall, aber wir finden es lustig. Was wir auch sehr süß finden: vor einem Zumba-Studio scharen sich Kinder auf dem Gehweg und tanzen die Schritte nach, die die Mädels im Inneren aufs Parkett legen.

Nach einem Milchshake aus frischem Obst starten wir am nächsten Morgen mit dem Motorboot Richtung Urwald. Im Amazonas-Gebiet hat die Regenzeit begonnen. Mehrmals täglich schüttet es wie aus Eimern. Auf dem Boot sitzen wir daher mit Sicherheitswesten und Regenponchos. Von allen Seiten spritzt das Wasser - bei 30 ° C ist das jedoch nicht dramatisch. Nach einer Stunde erreichen wir unsere super schöne Dschungel-Lodge (www.yarinalodge.com) im Nationalpark Yasuni.

Bei unserer Tour sind folgende Leistungen enthalten: Anfahrt zur Yarina Eco Lodge mit dem Motorboot, Verpflegung, ein Guide, verschiedene Aktivitäten und Excursionen und die wahnsinnig wichtigen Gummistiefel. Unverzichtbar ist eine Regenjacke und Mückenspray. Anders überlebt man quasi nicht. Ich wurde komplett attackiert von Stechmücken.

Nach dem Mittagessen wateten wir bis zu einer Anhöhe durch den Regenwald. Auf dem Weg dorthin erhielten wir von unserem Guide unzählige Informationen zu Flora und Fauna. Inzwischen haben sich riesige Pfützen gebildet. Von einem Holzturm lassen wir unsere Blicke über den Dschungel schweifen. Je nach Wetterlage sind hier entsprechend viele oder wenige Vögel zu beobachten. Papageien mögen kein Regenwetter - so schade. Dafür sehen wir Affen, eine Schlange, Kröten und Hundertfüßler.

Bei Nacht paddeln wir mit Kanus zu einer Lagune - ein unglaubliches Erlebnis. Es ist stockdunkel, zu hören sind nur die Geräusche des Dschungels, zirpen, quaken, die Paddelschläge und die Bewegungen der Bäume und Pflanzen. Unser Guide zeigt auf Augen von Kaimanen, so richtig an die Oberfläche mögen sie bei dem Tröpfeln nicht kommen. Die Flussböschung funkelt durch tausende Glühwürmchen. Die Stimmung ist gigantisch.

Am nächsten Morgen besuchen wir nach dem Frühstück ein Urvolk am Fluss. Wir lernen eine Familie kennen, die zu elft in einem Pfahlhaus lebt. Die Familienälteste bereitet über einem Grill Fisch in Bananenblätter zu, während wir erfahren, welche Pflanzen ringsum angebaut werden. Kakao zum Beispiel oder Bananen. Wir pressen Saft aus Zuckerrohr und lutschen frische Kakaobohnen, als wären es Bonbons. Die Gelegenheit, fette weiße Maden zu probieren, überlassen wir jedoch anderen. Die Kinder der im Dschungel verstreuten Familien treffen sich täglich in der Dorfschule. Für uns ist diese Art zu Leben völlig unvorstellbar.

Wir marschieren zurück zur Lodge, das letzte Stück legen wir im Kanu zurück. Wieder sehen wir Affen, Vögel und riesige Schmetterlinge mit einer Größe von 15 cm.

Aus gerösteten Kakaobohnen machen wir unsere eigene Schokolade und Kakaotee. Der krönende Abschluss ist wohl der Besuch einer Vogelspinne, kurz bevor wir das Amazonas-Gebiet wieder verlassen.

Alausí und die Teufelsnase

Von El Coca nehmen wir den Bus nach Tena (ups... Zeit und Kosten nicht notiert), weiter nach Riobamba (5 Std., $ 7,50) und schließlich nach Alausí (etwas weniger als 2 Std., $ 2,35).

In Alausí fällt zuerst die Jesusstatue auf dem Hügel inmitten des Örtchens auf. Aber natürlich ist sie nicht der Grund, um nach Alausí zu fahren. Stattdessen ist es die Zugfahrt zur Teufelsnase (Nariz del Diablo) in Sibambe. Früher konnte man diese Fahrt durch die herrliche Andenlandschaft noch auf dem Zugdach sitzend erleben. Aus Sicherheitsgründen wurde das leider inzwischen verboten und dieses Abenteuer bleibt uns verwehrt. Wir genießen es trotzdem.

Die Teufelsnase erkennt man nicht direkt auf den ersten Blick. Wenn man sich jedoch das Bergprofil ansieht, kann man sich links an der Spitze vorstellen, dass ein Kopf nach oben blickt und die Nase gen Himmel richtet (Bild rechts).

Kolonialstadt Cuenca

Cuenca ist die drittgrößte Stadt Ecuadors, mit einem wunderschönen Stadtkern, der sogar zum Welterbe der UNESCO erklärt wurde. Der Bus von Alausí hier her liegt bei $ 7,50. In Cuenca hatten wir ein ziemlich cooles Hostel namens "Yukumama", das ich jederzeit weiterempfehlen kann.

Als wir hier sind, wird gerade festlich für Palmsonntag und Ostern geschmückt. Die Semana Santa (Karwoche) ist ein wichtiges christliches Ereignis im Jahr der Ecuadorianer.

Leguane in Guayaquil

Der Tag des Abschieds ist gekommen. Ich fahre morgens nach Guayaquil - vier Stunden durch eine erneut gegensätzliche Landschaft ($ 8,00). Wir passieren den Cajas Nationalpark, Meterlange Zuckerrohr- und Bananenfelder und nähern uns schließlich der Küste, wo die Temperaturen drastisch steigen. Auf der Fahrt bin ich erstaunt als ich bemerke, dass die Gegenfahrbahn direkt neben mir einen guten Meter abgesackt ist. Wie das passieren konnte ist mir unklar. Vielleicht ein Vorbote des schrecklichen Erdbebens, dass kurze Zeit nach unserem Urlaub Ecuador erschütterte? Ich weiß es nicht.

In Guayaquil habe ich noch kurz Zeit, bevor mein Flieger geht. Ich möchte auf jeden Fall in den Parque Bolivar, da ich gelesen hatte, dass es dort Leguane gibt, wie man sie sonst eher auf den Galapagos Inseln vermuten würde. Allerdings spazieren die Tiere nicht nur dort umher. Auch an der Uferpromenade Melecón 2000 kann man sie entdecken.

Ein letzter Spaziergang führt mich durch das Stadtviertel Las Penas, bevor ich mir ein Taxi anhalte und zum Flughafen fahre.

Ja Ecuador, ich habe mich auch in dich verliebt.

#Südamerika #Backpacking #Fernreise #Ecuador

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