• Bettina

Erstmals Volunteer - einmal und nie wieder?


Ich dachte, ich bräuchte Zeit, um mich zwischendurch niederzulassen. Ich wollte das Reisen zu schätzen wissen und nicht als selbstverständlich ansehen. Immernoch glaube ich, dass etwas Alltag früher oder später wichtig sein wird. Nur heute vielleicht noch nicht. 

Geplant war, dass ich drei Monate bei einer Reiseagentur in Arequipa / Peru arbeiten sollte. Für mich klang das wie ein Traumjob. Ich hatte allerdings extrem wenig zu tun. Das Konzept der Agentur zielt auf besser betuchtes Publikum ab. Man verkauft selten, aber hochpreisig. 

Was aber der ausschlaggebende Punkt war, bereits nach eineinhalb Wochen statt drei Monaten das Handtuch zu werfen: ich lernte nichts. Nicht einmal wirklich die Sprache, da ich ohne irgendwelche Kollegen lediglich in Englisch mit den Touristen korrespondierte.

Für was also bleiben? 

Mir wurden verschiedene Touren in Aussicht gestellt und ich konnte kostenlos und mit zwei Mahlzeiten am Tag in Arequipa wohnen. Aber: meine Zeit wurde dadurch nur aufgeschoben. Das Geld für Unterkünfte nehme ich später trotzdem in die Hand. Zudem müsste ich erneut über die Grenze nach Chile oder Bolivien, um nach 90 Tagen Volunteering auf eine weitere Einreiseerlaubnis zu hoffen und das Land zu sehen. Das kostet sicher so viel, wie zwei Wochen Übernachtungen in Hostelbetten. Ziel war ja nicht, möglichst lange in einer Stadt bleiben zu können, sondern persönlich von einer neuen Erfahrung zu profitieren. Vielmehr hatte ich das Gefühl, die "Gringa" zu sein, die das Image verbessert und Vertrauen gegenüber der westlichen Touristen aufbauen sollte. Damit habe ich grundsätzlich kein Problem, aber dann sollte es entsprechend professionell zugehen. Die Touren sind sicher toll, die Resonanzen sprechen dafür. Das steht außer Frage. Auch will ich nichts schlecht reden, wünsche diesem Business viel mehr, dass es gut läuft.

Aber: in der ersten Woche hatte ich bereits neun Stunden auf dem Überstundenkonto, weil mein Chef sein Personal in seinem Zweitunternehmen nach einem Tag Krankheit feuerte und die Volunteers dort davon liefen. Klar, ich helfe super gerne aus. Ich bekam dann aber mit, wie er über meine beiden "Ruhetage" klagte, als ich mich pausenlos übergeben musste und nicht in der Lage war, zu arbeiten. Sicher wäre es besser gewesen, ich hätte davon nichts erfahren, aber ich war darüber verärgert.

Ich mag das Gefühl ganz und gar nicht, Versprechen nicht einzuhalten und Angefangenes nicht zu beenden, aber für mich gab es, nachdem ich versuchte, die Situation objektiv abzuwägen, keinen Grund zu bleiben. Es ist eigentlich mein Traum, den ich hier gerade leben will.

Wir sind sehr freundlich auseinandergegangen, was ich sehr angenehm fand. Für die Chance bin ich super dankbar. 

Ob ich es noch einmal irgendwann versuche? Kann ich mir schon vorstellen. Irgendwo wird es etwas geben, was meine Reise zusätzlich bereichern wird. 


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