• Bettina

Trauminsel Sansibar - wie es wirklich ist


Mit Sansibar verbinden viele eines: das Paradies auf Erden. Ich habe mir acht Tage lang verschiedene Orte auf der beliebten Urlaubsinsel angesehen. Meine Ziele waren die Hauptstadt Stone Town, Michamvi, Paje und Kendwa. Einen kurzen Abstecher habe ich nach Nungwi gemacht.

Wie die meisten Individualreisenden auf Sansibar habe auch ich mich vorher gefragt, wo man denn am besten aufgehoben ist, wo man den Touristenmassen einigermaßen entkommen und ein paar Tage lang die Seele baumeln lassen kann.

>> Hierzu muss ich sagen,

dass ich nicht die geringste Ahnung habe,

wie all die Orte während den Hauptreisezeiten sind. <<

Viele Einheimische haben mir versichert, dass es im August und Dezember beispielsweise ziemlich turbulent zugeht, Orte wie Kendwa, Nungwi und Paje sehr überlaufen sind und die Preise für die Unterkünfte drastisch ansteigen. Jetzt im April sind einige Hotelanlagen geschlossen, in den Restaurants und Strandbars bleiben viele Tische leer. So gefällt mir das!

Stone Town

„Taxi, Taxi!“, „Sorry Miss! Hello! Hello!“, „What are you looking for?“, „Hello! Where are you from?“, „You need a boy from Tanzania?“ – all das geht mir nach den ersten 15 Minuten schon ziemlich auf den Keks.

Stone Town geht mir auf die Nerven, dabei steckt das Städtchen mit all den verwinkelten Gassen und massiven Bauten voller Potenzial. Ich würde mich gerne treiben lassen, an der Ecke für einen Kaffee stehen bleiben, der Sonne beim Untergehen zusehen und mich abends durch den Nachtmarkt schlemmen. Am zweiten Tag, bekomme ich das auch wesentlich besser hin, aber im ersten Moment muss ich fliehen vor den Personen, die mir irgendetwas andrehen möchten.

Ob ich Sansibar mag, werde ich oft gefragt. „Ich denke, ich würde es richtig gern mögen, würden mich nicht ständig irgendwelche Leute ansprechen. Leider kann man hier keine fünf Minuten für sich sein.“, ist meine Antwort, mit der ich ihm indirekt zu verstehen geben möchte, dass auch dieses versuchte Gespräch nicht gut ankommt. Als er mir sein Verständnis bekundet und penetrant mit den üblichen Fragen voranschreitet, denke ich nur, „Gar nichts verstehst du!“.

Hin muss man trotzdem. Stone Town ist zweifelsohne sehenswert.

Meine Tipps:

  • Lasse dich durch die Gassen der Altstadt treiben!

  • Erhalte einen erschütternden Einblick in die traurige Vergangenheit am alten Sklavenmarkt! Der Eintritt (inkl. kurzer Führung) kostet 11.500 TSH. Aber Vorsicht: Mich bewegen Themen wie diese und ich stand für kurze Zeit den Tränen nahe. Oder wie denkst du, wenn du hörst, dass Kinder bis zu 5 Jahren hingerichtet wurden, dass ihre Mütter arbeiten konnten? (Altere Kinder waren selbst brauchbare Arbeitskraft.)

  • Versuche die berühmte „Zanzibar-Pizza“ am täglichen Nachtmarkt!

  • Probiere Kokosbrot und Garnelenspieße im beliebten Lukmaan Restaurant.

Michamvi

Einen Strand fast für mich alleine, abendliche Sonnenuntergänge und das leckerste Essen auf der Insel fand ich in meinem persönlichen Favoriten Michamvi.

In der Milele Lodge fühlte ich mich unheimlich wohl. Die Mitarbeiter sind super nett, die Gerichte zwar nicht günstig, aber hervorragend, und weit zum Strand hat man es auch nicht. Dort wartet die „Sun Down Beach Bar“ mit Speisen und Getränken auf einen.

Geht man den Strand Richtung Süden (nach links) entlang, kommt man nach wenigen Minuten zu den Mangroven und einer darin versteckten, sehr gemütlichen Strandbar. Hierbei muss man einen kleinen Fluss überqueren, was bei Ebbe problemlos zu Fuß machbar ist, bei Flut kann man auf das kleine Boot dort zurückgreifen.

Am Abend saßen wir in der Unterkunft musizierend ums Feuer. Dieses ruhige Fleckchen Erde, habe ich bereits 10 Minuten nach meiner Abreise vermisst.

Den nächstgelegenen Geldautomaten findet man in Paje.

Paje

Eine Unterkunft direkt am Strand hatte ich hier mit dem Ananda Beach House gefunden. Der Strand ist nicht so versteckt und sauber wie in Michamvi, nicht wegen Müll, sondern etwas mehr Seegras gibt es hier. Wofür ich Paje wirklich mochte, war das Nachtleben. In verschiedenen Lokalitäten ist hier etwas geboten. Die Strandparty freitags im Jambo lohnt sich! Wer schon länger unterwegs ist und Gelüste nach einer richtig guten Pizza hat, wird im „Delight“ fündig. Als alleinreisende Frau kann man sich sicher sein, dass man sofort das Interesse der Massai, die wahrscheinlich nicht einmal welche sind, erlangt.

Kendwa

Einen breiten und herrlich weißen Sandstrand findet man hier im Norden in Kendwa. Einheimische spielen hier abends eine Runde Fußball oder stählen ihre Körper am Strand, während man sich als Tourist gerne mal einen Mangosaft oder Cocktail in den Strandlokalen, wie dem schönen „Kendwa Rocks“, gönnt. Kendwa gefällt mir sehr gut, aber vermutlich nur, weil es auch hier momentan noch sehr ruhig ist. Da der Ort an der Westküste liegt, hat man auch hier am Abend wieder tolle Sonnenuntergänge.

Nungwi

In Nungwi selbst war ich nur etwa eine Stunde und kann daher kein rechtes Urteil fällen. Was ich aber gesehen habe ist sagenhaftes Wasser, so blau, wie man es sich hier immer vorgestellt hat. Nungwi ist wohl der bekannteste Anlaufpunkt auf der Insel. Meine Wahl wäre es daher eher nicht.

Mit einem Einheimischen hatte ich die Chance, kostenlos in ein natürliches Aquarium zu gehen, eine Schildkrötenauffangstation, die zudem über die Plastikproblematik und das Leben der Meeresschildkröten aufklären will. Was ich wirklich davon halten soll weiß ich nicht. Zum einen ist das Eintrittsgeld wohl üblicherweise recht hoch (um die 10 USD?) und ich frage mich, warum man die Schildkröten, die als Beifang in die Netze gehen und hier abgegeben werden, erst nach einem Jahr wieder in die Freiheit entlässt. Auf der anderen Seite wird das Geld wohl unter anderem dafür verwendet, die Abgabe zu fördern und nicht den anderweitigen Verkauf der Tiere. Ich bin mir zu all dem nicht ganz schlüssig. Man kann die Schildkröten füttern und der ein oder andere Tourist meint auch, sie für das "perfekte Foto" am Kopf kraulen oder aus dem Wasser heben zu müssen.

Blick hinter die Kulissen

So paradiesisch Sansibar auch wirken mag, verlässt man die Strände ist das Bild ein anderes. Die Menschen leben in einfachen Verhältnissen. Die grauen kleinen Häuser zerfallenen, die Straßen bestehen fast nur aus Schlaglöchern, man ist einfach nach wie vor in Afrika. Die Englischkenntnisse jedes noch so kleinen Kindes genügen für ein „Mzungu, give money!“ und überhaupt fragt man sich, wo all das Geld landet, dass die vielen Touristen hier Jahr für Jahr lassen. Außer Stone Town sind die Orte schlichtweg nicht sehenswert. Die Strände sind toll, keine Frage. Touren habe ich persönlich keine Unternommen. Für Schnorcheln und Tauchen ist Sansibar ein beliebter Spot. Im Süden der Insel kann man Delfine sehen. Von anderen Touristen habe ich jedoch gehört, dass die Delfine von all den Touristenbooten verfolgt werden und sie kein so gutes Gefühl dabei hatten. Vielleicht kann man irgendwann einmal dazu übergehen, die Motoren abzustellen und den Tieren ihren Lebensraum zu lassen, während man sich an ihnen erfreut. Auch bei den Fotos der Schnorchel-Touren war mir schnell klar, dass dies nicht meine Welt ist, wenn man mit einem Seestern in der Hand posierend abgelichtet wird. Man sieht sie doch auch so – ich verstehe es nicht.

Unterwegs auf der Insel

Die meisten Touristen greifen auf private Transporte zurück und zahlen für ein Taxi zu den Strandorten gerne mal 40 – 50 USD. Diese Preise sind ABSOLUT unverhältnismäßig für Tansania. Ein realistischer Taxipreis von Stone Town zum Flughafen wären etwa 10.000 TSH (weniger als 4 €). Als westlicher Tourist bekommt man in den Hotels 15 USD angeboten und freut sich evtl. noch, wenn man ein Angebot für 10 USD findet.

Im Stadtgebiet von Stone Town, z. B. zum Flughafen oder nach Mwanakwerekwe (für die Weiterfahrt nach Michamvi) zahlt man im Dala Dala (Minibus) 300 TSH (etwa 0,11 €), außerhalb, z. B. nach Kendwa oder Paje, 2.000 TSH (etwa 0,77 €). Wird nach einem Zuschlag für Gepäck gefragt, sollte man sich weigern. Dies geschieht lediglich bei Touristen, Einheimische transportieren oft gefühlt ganze Haushalte.

A - Stone Town

B - Michamvi

C - Paje

E - Kendwa (über Stone Town)

F - Nungwi

G - Stone Town

Kleidung auf Sansibar

Auf der Insel leben 90 % Muslime und 10 % Christen. Einheimische Frauen in sommerlich kurzer Kleidung sieht man nicht, Männer tragen meist lange Hosen. Keiner wird einem vorwurfsvolle Blicke zuwerfen, aber von meinem Hostel habe ich zumindest in Stone Town auf Nachfrage die Auskunft bekommen, dass ich Knie und Schultern bedecken sollte. Sobald man Stone Town verlässt wird das etwas lockerer gehandhabt. Touristen in kurzen Hosen / Röcken und Tops sind hier normal. An eine Strandbar hätte ich mich trotzdem nicht im Bikini gesetzt.

Anreise per Fähre vs. Flugzeug

Ab dem Hafen in Dar es Salaam verkehren mehrfach täglich schnellere und langsamere Fähren. Ich habe mich für die teurere, aber schnelle Fähre (1 Std. 45 Min.) von AZAM entschieden.

Preise (Stand 4/2019):

Economy 35 USD (Kinder 25 USD)

Business 40 USD

VIP 50 USD Royal 60 USD

Was der Unterschied ist, wüsste ich auch gerne. Ich musste Business buchen, weil Economy angeblich schon ausverkauft war. Die Bezahlung hat in USD und in bar zu erfolgen.

Abfahrtszeiten sind (Stand 4/2019) in beide Richtungen:

07:00 Uhr

09:30 Uhr

12:30 Uhr

16:00 Uhr

In der Fähre ist es sehr kalt. Das Meer war ruhig und hat auch meinem empfindlichen Magen keine Probleme bereitet.

Bei Ankunft musste ich meine Gelbfieber-Impfung nachweisen.

Zurück nach Dar es Salaam bin ich mit As Salaam Air für etwa 38 USD geflogen. Der Flug dauert 15 Minuten, das Terminal für Inlandsflüge ist so klein, dass man nicht lange im Voraus dort sein muss. Mein Highlight war außerdem, als ich von der Fluggesellschaft gefragt wurde, ob ich mit den Piloten in der Kabine sitzen wolle. Wie meine Antwort ausgefallen ist, dürfte jedem klar sein.

Lohnt sich Sansibar?

Das Meerwasser ist warm und ruhig wie in der Badewanne, überall gibt es köstliches Seafood und die Strände sind ein Traum. Nur für Sansibar würde ich trotzdem eher nicht kommen. Verbindet man eine Reise mit dem Festland Tansanias lautet meine Antwort aber ganz eindeutig „Ja!“.

#Tansania #Weltreise #Backpacking #Afrika

208 Ansichten

Würzburg

  • YouTube - Black Circle
  • b-facebook
  • Instagram Black Round
  • Pinterest - Black Circle
This site was designed with the
.com
website builder. Create your website today.
Start Now