• Bettina

Albanien - Mazedonien - Italien


Albanien. Mir kommt es vor, als wäre ich hier in einem "anderen Europa". 75 Jahre den Zeitstrahl zurückgewandert. Ziegenköpfe reihen sich auf Grillspieße. Ausrangierte Mercedes Benz aus Deutschland verstopfen die Straßen Tiranas. Karge Berglandschaften sobald man eine Stadt verlässt. Bauern, die ihre Ernte auf Eseln nach Hause transportieren.

"Wie kommt man auf die Idee nach Albanien zu reisen?", hat mich fast jeder zuvor gefragt. Ich denke mir in solchen Momenten: weil es sonst niemand tut.

Das monatliche Durchschnittseinkommen liegt in Albanien bei 300 Euro. Das Land, vom Kommunismus geprägt, ist stolz auf das friedliche Zusammenleben der verschiedensten Religionen, wie beispielsweise dem Islam, den Sunniten, Orthodoxen, Katholiken. Großartig, wenn ein solches Miteinander problemlos funktionert.

Was ich unbedingt loswerden muss, bevor du gleich denken wirst "boah, da muss ich hin", hebe nur nicht zu viel Bargeld ab. Zum einen unterschätzt du, wie wenig Geld du zum Beispiel für eine Woche Albanien benötigst und du bekommst die Banknoten bei keiner deutschen Bank, am Flughafen oder in Wechselstuben getauscht. Es besteht, wie ich nach meiner Reise erfahren musste, ein An- und Verkaufsverbot für den Albanischen Lek. Herzlichen Dank. Wer nach Albanien möchte kann sich bei mir melden.

Ich will natürlich den Fokus nicht nur auf Albanien richten. Die zweite Hälfte der Reise verbrachten wir in Bella Italia. Sorrent, die Amalfiküste, Rom - ein Träumchen. Nicht so ungewöhnlich wie Albanien, dafür außergewöhlich schön.

Die Route

Wir landen in Tirana, der Hauptstadt Albaniens. Von hier mieten wir uns einen kleinen Mietwagen. Geländetauglich wäre besser gewesen, aber erstaunlicherweise kommen wir ohne Reifenpanne davon. Von Tirana geht es über Pogradec nach Mazedonien. An diesem Punkt gerate ich bei meinen Erzählungen immer ins Schwärmen. Weiter gehts nach Korca, Gjirojastra, an die Küste ganz im Süden und in die Weltkulturerbestadt Berat.

Von Durres setzen wir mit der Fähre über nach Bari in Italien. Ein ganz schönes Geschaukel mit wenigen Stunden Schlaf, aber es ist die Reise wert. Denn schließlich kommen wir auf diese Weise quasi über Nacht an die traumhaft schöne Amalfiküste, nach Neapel und abschließend nach Rom. Also wenn ich eines kann, dann ist es wohl Reiserouten wählen.

Die Steps

1. Tirana

Das beste, was man meiner Meinung nach in einer fremden Stadt machen kann, ist, an einer Free Walking Tour teilzunehmen. Diese werden mittlerweile in zahlreichen Städten oder zumindest Hauptstädten angeboten. Man erfährt in kürzester Zeit wahnsinnig viel über Land und Leute, bekommt auf kompakte Weise einen Überblick über die Sehenswürdigkeiten der Stadt und was jede Free Walking Tour ausmacht: der Guide ist mit Leidenschaft bei der Sache (Touren sind auf Trinkgeldbasis), liebt seine Stadt und liebt es, sie zu präsentieren. Aber genug der Worte. Tirana, die Bühne gehört dir.

Ein unbedingtes Muss ist der Hausberg Tiranas, der Dajti. Von hier hat man einen wunderschönen Blick auf die Stadt und die Umgebung. Allerdings erinnere ich kurz an den Geländewagen, den ich vorhin erwähnt hatte und den wir leider nicht gebucht hatten. Aber es geht auch ohne. Und wenn man nicht ausgerechnet - wie wir - einen Dienstag für das Vorhaben erwischt, entscheidet man sich womöglich eh für die Fahrt mit der Seilbahn. Dienstags fährt diese leider nicht.

2. Pogradec

Bis nach Pogradec wirkt die Fahrt wie eine Ewigkeit. Man fährt über kurvenreiche Straßen und durch kleine Ortschaften. Manchmal wird man von einem Polizisten angehalten, er nickt dir lächelnd zu und winkt dich weiter. Wozu? Ich habe nicht die geringste Ahnung, aber irgendwie ist es nett.

Nach stundenlangem bergauf und bergab erreichen wir bei Dunkelheit die Stadt am Ohridsee. Ein sanftes Rauschen, mit dem wir am Abend einschlafen und am nächsten Morgen aufwachen.

3. Ohridsee, Mazedonien

Fährt man weiter am See entlang, gelangt man nach nur wenigen Minuten nach Mazedonien. Wichtig zu wissen ist, dass du für die Überfahrt eine Greencard benötigst. Wir haben diese in Pogradec gekauft. Der Preis ist gestaffelt, je nach dem wie viele Tage man in Mazedonien bleiben möchte.

Ein Muss: das Kloster Sveti Naum. So ein schönes, erholsames und trotzdem unbekanntes Fleckchen habe ich selten gesehen.

Das Städtchen Ohrid selbst liegt weiter nördlich am See, ettliche Kurven weiter. Mit heruntergekurbelten Fensterscheiben und Balkansound aus dem Radio kann ich mir schlimmeres vorstellen. Wir erleben einen traumhaften Sonnenuntergang. Kann doch was, oder nicht?

4. Von Korca nach Gjirokastra

Nach dem Abstecher ins Nachbarland Mazedonien sind wir zurück in der albanischen Stadt Korca. Wir bleiben hier über Nacht und machen uns am nächsten Morgen auf den Weg nach Gjirokastra. Der Weg ist weit, die Straßen hundsmiserabel. Aber das ist es ja, was es so reizvoll macht. Schotterpisten. Steile Abhänge. Die Kuh am Straßenrand. Ströhmender Regen, der in null Komma nichts alles überflutet. Yes!

5. Blue Eye und der Süden

Ein Wunder der Natur ist das sogenannte "Blue Eye". Unterirdische Quellen sorgen für das faszinierende Farbspiel, bunte Pflanzen und Algen geben den Rest. Während sich die Touristen hier im Sommer gegenseitig auf die Füße trampeln, ist im September fast keiner mehr hier. Auch die Strände in den Touristenhochburgen Ksamil und Seranda sind wie leergefegt. Niemand da. Wirklich niemand. Die Orte bestehen nur aus Hotelbauten. Schön ist das nicht. Einige Schwarzbauten wurden mit Baggern "umgestumpt", Ruinen zwischen Touri-Anlagen, Beton-Stahl-Gebilde, die in sich zerfallen. Dabei wären die Strände hier, nicht weit von der griechischen Insel Kos, so traumhaft. Mir gefällt es nicht. Wir brechen auf gen Norden.

6. Berat

Wie weggeblasen ist die kurzzeitige Depristimmung von eben. Keine Hotelbunker mehr. Weltkulturerbestadt Nr. 2 auf unserer Tour. Wow, einfach wow. Hier gefällt es mir wieder. Wir übernachten in einem dieser uralten Steinhäuser. Das Hostel betreibt ein ehemaliger Opernsänger, der morgens sein Können unter Beweis stellt, während seine Mutter in der Küche für Kaffe und Frühstück sorgt. In einem Lokal fragen wir nach einem landestypischen Gericht. Der Kellner bietet uns an, eine Platte zusammenzustellen, mit Dingen die "sie hier" gerne essen. Oh mein Gott. Ich bin nicht sicher ob ich lachen oder weinen soll. Ein Fleischberg mit Wurst als Beilage, dazu Grillspieß. Oder so ähnlich.

7. Amalfiküste

Wir sind in Bella Italia. Achja, der Kaffee kostet hier nicht 1,00 €, sondern 3,50 €, die Übernachtung nicht 7,00 €, sondern 40,00 €. Dennoch, wie schön ist es hier eigentlich? Von der Amalfiküste schwärmt meine Oma. Ich hatte die Vorstellung, hier seien nur Rentner unterwegs. Zugegeben, es sind viele. Aber vielleicht auch, weil hier Genuss, Schlendern und Gemütlichkeit angesagt ist.

8. Sorrent

Buongiorno Sorrento! Die Sonne lacht und mein Herz lacht auch. Heroisch und chic, sommerlich und voller italienischer Lebensart. Köstliche Pizza, dazu ein Glas Wein und der Blick schweift aufs Meer Richtung Vesuv.

9. Rom

Nachdem ich von Neapel nicht so wahnsinnig geflasht bin, rausche ich direkt durch zu DER Metropole Italiens: Rom. Man könnte einen ganzen Roman nur über Rom verfassen. Man könnte aber auch wirklich länger als zwei Tage in Rom verbringen. Aber auch in dieser kurzen Zeit lässt sich allerhand entdecken. Wir sind schließlich noch entspannt vom gemütlichen Sorrent. Das Forum Romanum und das Colloseum besichtigen wir in aller Ausführlichkeit. Für den Vatikan ist leider nicht genügend Zeit, aber wir stehen zumindest am Platz vor dem Petersdom und sehen dem Treiben hier eine Weile von außen zu.

Mit Rom endet unsere Reise leider auch schon. Im Ganzen waren wir zwei Wochen unterwegs, nach der Hauptsaison Ende September bis Anfang Oktober.

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