• Bettina

Kolumbiens Pazifikküste


Diesen Teil Kolumbiens hatte ich bisher so gar nicht auf dem Schirm. Bis mir ein einheimischer Freund sagte: "Dann verpasst du halt den schönsten Teil des Landes!" Okay, okay ... das genügt, um mich zu überzeugen.

Und so geht meine Reise nach Buenaventura und von dort mit dem Motorboot in etwa einer Stunde nach Juanchaco. Nicht etwa eine gemütliche Fahrt über sanftes Blau, das Boot hüpft regelrecht auf den Wellen und bei jedem Aufprall befürchtet man, dass es in der Mitte auseinanderbricht. Die etwas wilde Geschichte lohnt sich aber, wie ich schon nach den ersten Minuten feststelle. Es ist Liebe auf dem ersten Blick!

Am Strand spielen die Kids Fußball, aus den wacklig aussehenden Holzhäuschen schallt fröhliche Musik, die Menschen sitzen auf den Gassen, essen, lachen, trinken ihr Bierchen und weit und breit wirkt hier nichts touristisch. Direkt am Boot werde ich angesprochen, ob ich schon eine Unterkunft hätte. "Nein, noch nicht." Ich handle 40.000 COP für drei Nächte aus (etwa 13 €) und komme mit ins Nachbarörtchen Ladrilleros. Zwischen Juanchaco und Ladrilleros fahren Mototaxis, aber auch zu Fuß bin ich es mehrfach gegangen, wenns z.B. abends in die "Disco" ging.

Was, abgesehen von Strand und Salsa-Nächten, bietet nun dieser Ort?

Nun, ich würde keine Woche hier verbringen, aber ein paar Tage lassen sich durchaus füllen. Beispielsweise lassen sich kleine Kanutouren unternehmen. Entweder von Juanchaco südlich in die vielen kleinen "Wasserstraßen", die sich vom Meer durch die Felsen schlängeln. Oder auch durch die Mangroven von Ladrilleros. Am Ende gelangt man hier an einen natürlichen Pool, in dem man sich erfrischen kann. Einfach nur herrlich. Wo man sich die Kanus genau ausleihen kann, ist mir allerdings nicht so klar. Das ging alles immer irgendwie automatisch, weil ich mit Leuten von dort unterwegs war.

Mein Highlight war aber ganz klar das whale watching. Erster Versuch ist an einem Tag, an dem Kolumbien ein WM-Spiel hat und auch noch gewinnt. Der Versuch scheitert nicht etwa daran, dass wir keine Wale zu Gesicht bekommen, sondern dass alle Bootsführer abwinken und gestehen, dass sie nicht mehr in der Lage sind, auf's Meer zu fahren. Nun ja... Kolumbianer leben eine ausgereifte Feierkultur, dazu kommt die Begeisterung für Fußball und man kann sich vorstellen, wie es hier zuging. Einen Tag später folgt also Versuch Nr. 2. Und wir starten tatsächlich. Das kleine Motorboot lässt kurz den Gedanken zu, ob ich überhaupt möchte, dass neben mir ein Wal auftaucht und was der wohl mit diesem Boot anstellen könnte, wenn er wollte.

Und plötzlich ist er da, der erste Buckelwal. Und dann noch einer und noch einer. Wir sehen ein paar kleinere Gruppen. Ich bin fassungslos, genieße lieber den Moment, als Fotos zu schießen. Und dann taucht einer direkt vor unserem Boot auf. Mir stockt der Atem. Der Kapitän bleibt völlig gelassen und so legt sich auch meine Aufregung wieder. Was soll ich sagen, ich hatte mir gar nicht so viel erwartet und wurde umso mehr überrascht von diesem Kurzausflug ins Reich der Meerriesen. 40,000 COP (etwa 12 €) zahle ich für ein einmaliges Erlebnis.

An- und Weiterreise

Die Fahrt mit einem Minibus ab Calí nach Buenaventura kostet lediglich 24.000 COP (etwa 8 €). Die Busse verkehren am laufenden Band. Die Hin- und Rückfahrt mit dem Boot nach Juanchaco kostet 70.000 COP (etwa 20 €). Boote zurück nach Buenaventura fahren um 8:00 Uhr, 13:00 Uhr und 16:00 Uhr. Ich glaube, auch hinwärts sind es diese Zeiten. Zumindest das letzte Boot fährt ebenfalls um 16:00 Uhr.

Als nächste Etappe bietet sich beispielsweise der Ort San Cipriano an. Ein Collectivo ab Buenaventura nach Córdoba kostet 3.000 COP (1 €). Die Spezial-Beförderung (siehe unten) nach San Cipriano kostet je Weg 6.000 COP (etwa 2 €).

San Cipriano - oder die besondere Art des Reisens

Die Sache liegt klar auf der Hand. Das Besondere an San Cipriano ist gar nicht der Ort selbst, sondern wie man dort hinkommt. Dies geschieht nämlich mit Wägelchen, die von Motorrädern betrieben werden. Man sitzt dabei auf einem Bänkchen unter einem Sonnen-/Regenschutz und rattert von Córdoba in das kleine Dorf am Fluss.

Über eine Abkühlung ist man in San Cipriano dankbar. Gut, dass der Fluss super geeignet ist für ein Bad. Ich bin hier eigentlich nur mit Kindern. Mich stört das nicht, bis mich der erste fragt, ob er einen Kuss bekommen kann. Erst mal muss ich laut auflachen. So sind sie, die Kolumbianer. Weiter geht es mit der Frage, ob er heute nacht bei mir schlafen kann. Ich frage etwas erschrocken, wie alt er denn sei. Da meint er grinsend: "Ich bin 14 Jahre alt. Ist dir das etwa zu jung?"

#Kolumbien #Weltreise #Backpacking #Südamerika

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