• Bettina

In 7 Tagen durch Guatemala


Klingt unmöglich, ist aber machbar! Guatemala ist durchaus ein Land, in dem man mehr Zeit verbringen kann, wenn man sie denn hat. Denn die spuckenden Vulkane mussten bei mir leider ausfallen. Geschuldet war das den eisigen Temperaturen dort oben und meinen bereits zurückgelassenen Winterklamotten. Ich hatte somit schlichtweg keine Lust auf Kälte und sonstige Torturen. Man wird etwas wählerischer mit der Zeit.

Antigua darf aber keinesfalls fehlen. Das kleine Städtchen mit seinen etwa 35.000 Einwohnern ist in nahezu jeder Gasse fotogen und hübsch hergerichtet. Entsprechend viele Touristen und Souvenir-Verkäufer tummeln sich hier. Reisegruppen bin ich nach den letzten Ländern überhaupt nicht mehr gewohnt.

Der Lago Atitlan ist mein nächstes Ziel. Der See ist eingekesselt von Vulkanen, eine wunderbare Kulisse, wenn man Glück mit dem Wetter hat. Aber dann die frustrierende Nachricht: seit etwa einer Woche ist er kontaminiert, zum Schwimmen gerade nicht geeignet. Da stelle ich mir die Frage, wo eigentlich die Abflüsse der umliegenden Dörfer hingeleitet werden. Aber alle Gedanken in Richtung Umweltschutz und Nachhaltigkeit frustrieren einen in diesem Part der Welt. Ich verschlage sie daher wieder und spaziere stattdessen durch die wenig touristische Gegend San Pedros. Denn wie immer, wenn mich ein Ort nicht packt liegt es daran, dass ich mich wie ein Tourist unter vielen fühle, der ich natürlich auch bin. Doch wäre dies immer so, hätte ich mich schon längst nach Hause abgeseilt. Ich komme etwas entfernt vom See ruck zuck wieder mit den Menschen in Kontakt. Wir unterhalten uns über das Leben in Deutschland, ich höre mir die Klagen über ihr Gesundheitssystem an, die Erwartungen an ein traditionell „korrektes Leben“, das der 29-jährige aber nicht leben will und noch keine eigene Familie mit vier Kindern hat, erfahre in einem Comedor, den einfachen Restaurants Guatemalas, vom Seniorchef, wie gut der Laden früher lief, dass heute jedoch direkt am See für doppelt und dreifaches Geld internationale Küche angeboten wird, was besser ankommen würde, und all das, während ich glückselig bin mit Reis, Bohnen und Kochbananen zum Frühstück und mit Blick auf den Markt, der sich traditionell auf der Straße abspielt. Wir schauen beide nach draußen, der alte Mann und ich. „Eine ordentliche Markthalle, die fehlt hier. Irgendwann haben wir die hoffentlich auch.“, sagt er. Es sind solche Situationen; ich mag wissen, was die Menschen bewegt, was ihnen fehlt, was sie gut finden, was sie ändern möchten, will die strahlenden Augen sehen, wenn ich sie an meinem Leben teilhaben lasse und sie jemanden aus dem fernen Deutschland kennenlernen. Ich will im Chicken Bus sitzen, der so heißt, weil einfach alle mitfahren, vom Huhn bis zum Ortsältesten. Ich will essen was die Guatemalteken essen, auch wenn es jeden Tag Reis, Bohnen und Rühreier sind.

Und dann begebe ich mich auf die nächste endlose Fahrt - an einem Tag ist sie nicht schaffbar - bis ich schließlich in Semuc Champey stehe und auf das schönste Naturschauspiel blicke, dass ich in ganz Guatemala, vielleicht sogar ganz Mittelamerika gesehen habe. Die Stufen zum Aussichtspunkt sind bei nahezu hundertprozentiger Luftfeuchtigkeit die Härte, aber spätestens unten, wenn man in den blauen Pools schwimmt, ist eine Erfrischung garantiert. Man kann hier selbstverständlich mit Guide unterwegs sein, was ich allerdings nicht für nötig heiße. Der Guide der Gruppe, die hinter mir hochgeht, läuft beispielsweise mit mir statt mit ihnen durch die Gegend, zeigt mir Äffchen und passt beim Baden auf meinen Rucksack auf. Verlaufen ist sowieso unmöglich.

Nach Semuc Champey soll er tatsächlich folgen, der Tag an dem ich erstmals in einem Shuttle sitze. Man kann sich super easy von einer zur nächsten Destination chauffieren lassen. Ein Gefühlt für das eigentliche Leben bekommt man auf diese Weise wohl nicht. Aber ich werde müde mir anzusehen, dass ich grundsätzlich mehr zahlen soll als die Einheimischen, dass ich mir immer den richtigen Preis erkämpfen muss, zuzuschauen, wie jeder seinen Müll während der Fahrt aus dem Fenster wirft. Ich glaube, mich hat das nie so angestrengt wie in Guatemala und dabei ist die Situation vermutlich seit Monaten in jedem Land – Costa Rica ausgenommen – sehr ähnlich. In Guatemala gilt die Faustregel, dass eine Stunde Busfahrt etwa 10 Quetzales kostet. Da der Shuttle von Lanquin nach Flores schon 8 Stunden benötigt, die Chicken Busse somit sehr wahrscheinlich 10 Stunden, kann ich das Angebot für 90 Quetzales für den Shuttle kaum ablehnen. Wir sind zu dritt in einem Minibus, jeder hat eine Sitzreihe für sich, kann gemütlich schlafen, was eigentlich schon ganz nett ist.

Flores ist eine Besonderheit! Der Ort liegt auf einer Insel des Petén-Itzá-Sees. Auf der Brücke dorthin gibt es jeden Abend Stände mit leckerem Essen, wie drei Tostadas für 5 Quetzales. In nur wenigen Minuten ist man einmal herumspaziert, so klein ist das Dorf, aber es ist der Ausgangsort zu den berühmten Maya-Ruinen von Tikal. Diese Tour buche natürlich auch ich (Transport und Guide Q 100, Eintritt Q 150). Und wieder einmal zeigen mir die Guatemalteken, was sie am Umgang mit Touristen noch nicht begriffen haben. Morgens um 4:30 Uhr wird ein Mädel aus meinem Hostel einfach stehen gelassen, obwohl sie die Tour bereits gebucht und bezahlt hat. Der Grund lautet, dass leider kein Platz mehr vorhanden sei, insgeheim hat der Fahrer wohl keine Lust mit der Travel Agency zusammenzuarbeiten. Gewisse Rivalitäten sind in Flores nämlich zu spüren und überhaupt wird hier so viel Schmu getrieben, wie nirgendwo sonst. Beispielsweise werden super günstige Transporte angeboten von Flores nach Lanquin und von dort ein oder zwei Tage später weiter nach Antigua. In Lanquin wird man jedoch niemanden finden, der einen nach Antigua mitnimmt, weil dort keiner etwas von dem Geld sieht. Flores liegt wie gesagt 8 Stunden entfernt und so wissen sie ganz genau, dass keiner die Zeit und das Geld opfern wird, um zurückzukehren und die Sache auffliegen zu lassen.

Auch das leidige Thema, dass es kein Wechselgeld gibt, ist Chance für Verarsche. Ein Ticketverkäufer hat angeblich alles versucht, um Wechselgeld für mich aufzutreiben und alles bis auf 5 Quetzales beisammen. Die Mehrheit würde vermutlich sagen, er solle es gut sein lassen. Ich bestehe auf mein Rückgeld, sage ihm, dass das nicht mein Problem sein kann und er dann halt damit leben müsse, dass ich weniger zahle, nicht zu viel. Daraufhin greift er wütend fluchend in seine Tasche, wirft mir das Geld hin und wendet sich mit einem „Puta!“ ab. Hach ja, Guatemala und ich haben es dahingehend nicht so miteinander.

Tikal an sich ist schön, aber geflasht bin ich nicht, was aber wohl erneut daran liegt, dass ich den Guide einfach unmöglich finde. Er sagt lachend nach der Kasse zu mir, dass wir soeben eine Person zurückgelassen haben, da dieser nicht genügend Geld (lediglich Dollar) einstecken hatte. Dass ich ihn angewidert anschaue und sage, dass sicher jeder im Bus bereit gewesen wäre, Geld zu leihen, wenn er es publik gemacht hätte, kann er nicht verstehen. Solche Dinge seien eben normal. Eigentlich sollte es aber normal sein, die Besucher bei der Buchung der Tour darauf hinzuweisen, dass der Eintrittspreis nicht im Paket enthalten ist. Auf die Ruinen kann man sogar klettern, hat auf der einen Seite einen tollen Blick auf das ewige Grün drum herum, auf der anderen Seite frage ich mich aber, wie lange dieses Weltkulturerbe auf diese Art wohl noch erhalten bleiben kann. Die Tour morgens um 4:30 Uhr kann ich empfehlen, denn außer uns sind nur wenige andere Personen in der Anlage.

Ich gebe zu, selten haben meine Beiträge so viele negative Stimmung durchklingen lassen, wie dieser, aber mich haben zu viele Dinge in Guatemala in Rage gebracht, die nur immer wieder durch verschiedene nette Leute, die ich dort traf, ausgebügelt wurden. Die Natur ist ein Traum in Guatemala – ohne Zweifel! Aber ich bin mehr als froh, als ich kurz darauf in Belize auf Caye Caulker komme, in eine andere Welt, mit einem Gefühl von purer Lebensfreude, das ich aufgesogen habe wie noch nie zuvor.

Die Route

Wie kommt man in Guatemala von A nach B?

Vom Grenzort La Hachadura in El Salvador bin ich zu Fuß über die Grenze gegangen und anschließend in einen Bus nach Escuintla gestiegen (45 Quetzales). In Escuintla ging es in einem weiteren Bus für 20 Quetzales nach Antigua.

Neben dem Mercado in Antigua fahren Busse nach Panajachel (Lago Atitlan) ab. Dieser Bus kostet 35 Quetzales. Panajachel ist der Dreh- und Angelpunkt am See. Von hier fahren zwischen 7:00 Uhr und 19:30 Uhr alle 20 Minuten Boote in die verschiedenen Ortschaften. Nach San Pedro kostet dies beispielsweise 25 Quetzales. Nach Santa Cruz und Jaibalito kostet das Boot jeweils 15 Quetzales, nach Tzununá und San Marcos 20 Quetzales. Diese Orte können ebenfalls von San Pedro angefahren werden (Preise zwischen Q 10 und Q 20). Die Abfahrten in San Pedro sind von 6:00 Uhr bis 17:00 Uhr und auch im 20-Minuten-Takt.

Sofern man von San Pedro nach Lanquin keinen Shuttle nehmen möchte, kommt man für insgesamt 110 Quetzales wiefolgt zum Ziel:

1. Bus nach Los Encuentros - 20 Quetzales (hierfür muss man nicht erst mit dem Boot zurück nach Panajachel)

2. Bus nach Santa Cruz de Quiche - 10 Quetzales

3. Bus nach Uspantan - 30 Quetzales

4. Bus nach Cobán - 30 Quetzales

5. Bus nach Lanquin - 20 Quetzales

Ich habe diesen Trip nicht in einem Tag geschafft und eine Übernachtung in Cobán eingelegt. Auch kann ich nicht sagen, ob ich jeweils die richtigen Preise gezahlt habe oder teilweise ein "Gringo-Aufschlag" verrechnet wurde. Grundsätzlich gilt der Richtwert, dass eine Stunde Busfahrt etwa 10 Quetzales kosten.

Von Lanquín nach Flores habe ich mir einen Shuttle für 90 Quetzales genommen. Für 8 Stunden fahrt ist das ein recht guter Preis und geht vermutlich wesentlich schneller, als per Chicken Bus.

Für mein nächstes Ziel Caye Caulker buche ich ebenfalls einen Shuttle bis Belize City für 110 Quetzales.

Was kosten 7 Tage in Guatemala?

Ich habe 1.721 Quetzales ausgegeben, was etwa 195 € und somit einem Tagesbudget von knapp 28 € entspricht.

#Guatemala #Mittelamerika #Weltreise #Backpacking

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