• Bettina

Paradiesische Insel San Andrés *Kolumbien*


Eigentlich dachte ich immer, pures Strandleben würde mich langweilen. Eigentlich. Bis ich hierhin komme - ins Paradies.

Obwohl San Andrés inmitten der Karibik auf Höhe Nicaraguas liegt, gehört die Insel zu Kolumbien. Erstmals weiß ich, wie es sich anfühlt, wenn man einfach ins Meer laufen kann und sich nicht für jeden weiteren Schritt überwinden muss. Das "Meer der sieben Farben" hat endlich die Temperatur, bei der auch mir das Spaß macht.

Die Anreise verläuft schon einmal so chaotisch, wie es chaotischer nicht geht. Ich fliege ab Medellín und muss zugeben, mir nicht ein einziges Mal Gedanken gemacht zu haben, ob es vielleicht neben dem Flughafen in der Stadt noch einen weiteren gibt. Und so steige ich ins Taxi und bin etwas verblüfft, als mich der Taxifahrer fragt: "Zu welchem Flughafen möchten Sie?" Nun ja, wie ich erklärt bekomme, gehen die Flüge nach San Andrés vom Flughafen außerhalb, zu dem es im Taxi 45 Minuten dauert und 70.000 COP kostet. Ob es eine günstigere Gelegenheit gibt, weiß ich nicht, ist jetzt aber eh schon egal, da meine eingeplante Zeit dadurch schon von Anfang an gestohlen wurde.

Noch am Check-In-Schalter hole ich den dicken Pulli aus dem Rucksack, in der Hoffnung, dass mein Rucksack dadurch nicht über die 15-Kilo-Schwelle kommt. Natürlich habe ich die günstigste Variante gebucht, was mir jetzt einige Schweißperlen auf die Stirn treibt. Und dann: 14,9 kg. Puh! Glück gehabt.

Dann teilt man mir mir, dass der Boardingpass in der billigen Preiskategorie nicht inklusive sei. "Bitte was?" Das kostet dann also nochmals 33.000 COP extra. Also gut, für Nachfragen ist eh schon keine Zeit mehr. Herzlichen Dank Vivaair. Man braucht also einen Drucker im Gepäck, aber dann klappt das mit den 15 Kilo wieder nicht.

"Sie benötigen noch ein Touristenticket für San Andrés!" Ich verzweifel schon langsam, mache mich auf die Suche, wo ich das bekomme und stelle fest, dass es das erst ganz am Ende nach der Handgepäckskontrolle gibt. "Das wären dann bitte 109.000 COP." ~ "Mit Karte bitte!" ~ "Das ist hier leider nicht möglich." Super, so viel Bargeld habe ich natürlich nicht mehr einstecken. Bankautomaten gibt es lediglich in der Eingangshalle. Also wieder den Weg nach draußen, inzwischen schon rennend, denn das Boarding beginnt genau jetzt. Mit Bargeld gehts zurück. An der Ticketkontrolle darf ich die unendlich lange Schlange passieren, danach erneut Handgepäckskontrolle, Touristenticket besorgen, zum Boarding und Abflug. Bin ich froh, als der Flieger abhebt und ich auch noch darin sitze.

Nach so einem Hin und Her und all den unerwarteten Kosten bin ich schon etwas frustriert, was die Entscheidung angeht, auf die Insel zu fliegen.

Im Juli sind überwiegend kolumbianische Touristen hier. Die Bewohner der Insel sprechen neben Spanisch hauptsächlich Kreolisch. Und es passieren wieder einmal zu viele kuriose Dinge, die ich an meinen Reisen so liebe. Dass einen beispielsweise die Küstenwache der Navy kostenlos auf eine andere Insel bringt und natürlich auch zur gewünschen Zeit wieder abholt. Oder dass man bis spät in die Nacht am Strand zu Salsa, Bachata und Reggaeton tanzt. Oder dass man sich jeden Abend im Zentrum mit viele junge Leuten trifft, die ihre Musikanlagen mitbringen und einfach die gute Stimmung genießt. Oder dass einen die Polizei einfach aufsammelt, kurz nachdem ich ausgesprochen hatte: "Die könnten uns doch eigentlich jetzt mal mitnehmen!" Wir zwei Mädels sitzen grinsend hinten, weil es doch tatsächlich geklappt hat, die zwei Polizisten sitzen grinsend vorne, weil sie die beiden Blondinen an Bord haben und alle ihre Kollegen doof schauen. Das ist Kolumbien!

Ausflüge auf San Andrés

Neben dem Hauptstrand im Norden, wo sich natürlich die meisten Touristen einquartieren und auch ich immer wieder wohnen wollen würde, lohnt sich eine Fahrt zur Insel El Acuario absolut. Man kann hier in dem seichten Wasser von El Acuario nach Haynes Cay laufen (mit Schuhen angenehmer), also von einer Insel zur anderen, oder eine umwerfende Unerwasserwelt beim Schnorcheln erleben. Mir bietet eine Frau kurz ihre Ausrüstung an und ich sehe in kürzester Zeit zahlreiche bunte Fische und Haie. Später schwimmt mir sogar noch ein Rochen um die Füße. Das Wasser hat übrigens genau diese Farben, einen Filter brauchts hier nicht.

Die meisten Fische sieht man wohl an der Westküste an einem Ort, der sich La Piscinita nennt. Die Schnorchelausrüstung, die man hier leihen kann, ist leider nicht besonders gut, aber man sieht die Meeresbewohner selbst schon von der felsigen Küste aus. Die Fische werden hier mit Brot angelockt. Das ist wohl der Hauptgrund, weshalb sie so zahlreich hier vertreten sind.

Ein Bild, das man sich von einer kleinen Trauminsel malen würde, ginge vermutlich in Richtung Jhonny Cay. Ein kleines sandiges Fleckchen Erde, das man in wenigen Minuten zu Fuß komplett erkunden kann, auf dem sich Leguane tummeln und unzählige Palmen Schatten spenden. Man muss zugeben, Ruhe und Einsamkeit habe ich an überhaupt keinem Ort von San Andrés erlebt. Wer das erwartet, ist hier falsch. Und auch auf Jhonny Cay übertönt die Musik eindeutig das Meerrauschen und ein Foto am Strand ohne Menschen darauf ist quasi unmöglich. Ich mag es dennoch, was mich selbst überrascht.

Flüge nach San Andrés

Die Airlines Vivaair (früher VivaColombia), Latam und Avianca bieten beispielsweise Flüge auf die Insel an. Achtung: bei der Buchung der Billigfluglinien werden einem gerne versteckte zusätzliche Gebühren untergejubelt, die man bewusst deaktivieren muss, um sie nicht mitzubuchen.

Auch wenn Nicaragua so nah liegt, gibt es wohl keine Schiffsverbindung dorthin.

Aus verschiedenen Städten Kolumbiens, wie Bogotá, Medellín oder Cartagena wird die Insel regelmäßig angeflogen.

#Kolumbien #Südamerika #Backpacking #Weltreise

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