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Reisen in Saudi-Arabien: Das solltest du wissen

Seit 2019 hat sich in Saudi-Arabien einiges verändert, was das Reisen für internationale Touristen angeht. Die saudische Regierung hat in den letzten Jahren eine Reihe von Reformen und Maßnahmen ergriffen, um das Land für ausländische Besucher attraktiver zu machen. Dieser Artikel fasst die touristisch relevanten Entwicklungen im Land sowie wichtige Aspekte für den Besuch Saudi-Arabiens für dich zusammen.



Öffnung für den ausländischen Tourismus

Saudi-Arabien hat sich im September 2019 für den internationalen Tourismus geöffnet und stellte tatsächlich erstmals Touristenvisa aus. Diese Entscheidung war Teil der Vision 2030 (mehr dazu später), einem umfangreichen Reformprogramm, das darauf abzielt, die Wirtschaft des Landes zu diversifizieren (Kontext: Abhängigkeit von der Förderung und dem Export vom endlichen Rohstoff Öl), den Tourismus als wichtige Einnahmequelle zu erschließen und nicht zuletzt das Image im Ausland zu verbessern.


In der Vergangenheit war Saudi-Arabien für ausländische Touristen nur äußerst schwer zugänglich. Mittlerweile erkennt man an allen Ecken und Enden den starken Fokus auf den Ausbau der touristischen Infrastruktur und die Förderung von Kultur- und Sportveranstaltungen. Was ich als besonders bemerkenswert wahrnahm: das Angebot wird insbesondere von den Einheimischen stark genutzt. Ich empfand das als Reisende als sehr angenehm, weil es sich eben nicht wie eine Parallelwelt anfühlte. Gründe dafür sind natürlich, dass Saudis sich dies in der Regel leisten können und die ausländischen Gäste noch weit in der Unterzahl sind.



Visum und Einreise

Deutsche, österreichische und schweizer Touristen (siehe alle 49 berechtigten Länder) können nun ein Touristenvisum für Saudi-Arabien beantragen, welches einen Aufenthalt von bis zu 90 Tagen innerhalb eines Jahres und die mehrfache Einreise ermöglicht. Das eVisa-Verfahren ist super simpel und schnell. Super schnell heißt in diesem Fall wenige Minuten! Hier gelangst du zur Webseite. Alternativ können EU-, US-, und UK-Bürger*innen auch ein Visum bei der Ankunft beantragen.


Die Religion der Antragsteller*innen spielt übrigens keine Rolle.


Das eVisum kostet 535 SAR (ca. 134 €) und beinhalten zugleich eine Gebühr für eine vollständige, anerkannte Auslandskrankenversicherung für Saudi-Arabien. Die Gebühr für das Visa on Arrival beträgt 480 SAR (ca. 120 €).


Bitte versichere dich über die vollständigen, aktuellen Einreisebestimmungen immer zusätzlich über das Auswärtige Amt.


Kleidung

Saudi-Arabien ist ein konservativ geprägtes Land, welches um die Einhaltung bestimmter Verhaltensregeln und Kleidungsvorschriften bittet. Bedenkt beim Reisen bitte immer, dass ihr zu Gast seid und ein Stück weit in das Zuhause der lokalen Bevölkerung eintretet.


Frauen sollten weite, körperunbetonte Kleidung tragen, die mindestens bis Mitte Waden, besser bis zum Knöchel und über die Ellenbogen reicht - so hatte ich es als angemessen empfunden. Auch wenn fast alle einheimischen Frauen eine Nikab oder zumindest Hijab tragen, wird jegliche Form von Verschleierung nicht von Touristinnen erwartet, genauso wenig wie das Tragen einer Abaya. In Medina, einer der heiligsten Städte des Islams, hatte ich trotzdem ohne Kopftuch ein ungutes Gefühl und mir entsprechend eines locker übergelegt.


Für Männer sieht das übrigens ganz ähnlich aus. Kurze Hosen sind auch für euch tabu. Die Männer vor Ort tragen traditionell einen Thawb, eine langärmliche, meist weiße, beige bis bräunliche oder graue Robe.


Obwohl auch ich am Meer war, wäre mir niemals in den Sinn gekommen, baden zu gehen, schon gar nicht im Bikini. Falls ihr das nicht missen möchtet, erkundigt euch bitte, ob es spezielle Hotels mit hoteleigenen Stränden gibt.


Bitte verhaltet euch in der Öffentlichkeit generell respektvoll. Einheimische Paare halten sich zum Beispiel nicht an den Händen oder zeigen keine Art von Zuneigung in Form von Umarmungen oder Küssen auf der Straße. Als Gast sollte man sich bemühen, die saudische Kultur und ihre Bräuche zu verstehen, zu respektieren und sich entsprechend anzupassen. Entsprechend viel Respekt wird auch dir gezollt werden. Es gibt hier keine unschönen Pfiffe, flirtenden Blicke oder sexistischen Kommentare. Anders habe ich das im Zusammenhang mit Couchsurfing gehört, das wird wohl von manchen einheimischen Männern als das Tinder Saudi-Arabiens interpretiert.


Gastfreundschaft

Saudi-Arabien ist bekannt für seine Gastfreundschaft und die äußerst warmherzige und einladende Atmosphäre, die Einheimische gerne für ihre Besucher*innen schaffen. Es kann daher durchaus passieren, dass du zu einer gemeinsamen Mahlzeit eingeladen wirst. Eine solche Einladung sollte man unbedingt annehmen.


Geschenke sind ein weiteres gewöhnliches Thema. Sehr wahrscheinlich werden dir Menschen, denen du unterwegs begegnest, Geschenke machen. Ich hatte eine ganze Tüte in meinem Rucksack: angefangen vom Gebetsteppich aus Medina, über Parfüm, bis hin zu einem traditionellen Kleid aus der Asir-Region.



Verkehrsmittel

In Saudi-Arabien gibt es verschiedene Verkehrsmittel, mit denen man sich fortbewegen kann. Hier sind die gängigsten Optionen:

  1. Auto: Saudi-Arabien ist ein absolutes Autoland! Die meisten Einwohner besitzen ein eigenes Auto und die Straßen sind gut ausgebaut. Seit 2018 dürfen auch Frauen legal Auto fahren. Eventuell macht es für dich Sinn, einen Mietwagen zu mieten.

  2. Taxi: Taxis sind eine bequeme Möglichkeit, um sich innerhalb der Städte fortzubewegen. Uber ist ebenfalls weit verbreitet. Hinweis: Setze dich nach hinten, außer es wird dir explizit angeboten (folgt oft nach einer Weile).

  3. Bus: Es gibt ein einziges Busunternehmen, welches das Busnetz in Saudi-Arabien bedient: SAPTCO. Aufgrund der Größe des Landes sind die Fahrten oft lang, jedoch zuverlässig. So gut in Schuss, wie auf den Fotos der Webseite, sind die Busse zwar in Wirklichkeit nicht, aber sie sind absolut ok. Buchen kannst du deine Tickets bequem über die Webseite. Hinweis: Frauen und Familien sitzen in der vorderen Bushälfte, Männer in der hinteren.

  4. Zug: Die saudische Eisenbahn ist das neueste und modernste Verkehrsmittel im Land. Es gibt erst wenige Zuglinien, die Züge sind jedoch extrem sauber, pünktlich und bequem (zumindest der Hochgeschwindigkeitszug auf der Strecke Medina - Jeddah). Tickets für diese Strecke kannst du hier buchen. Für Züge zwischen Riad und Dammam klicke hier.

  5. Flugzeug: Da Saudi-Arabien ein großes Land ist, kann das Flugzeug eine schnelle und bequeme Option sein, um zwischen den Städten zu reisen. Es gibt mehrere Flughäfen im Land, die von internationalen Fluggesellschaften und saudischen Fluggesellschaften (z.B. Saudia, Flynas, Flyadeal) bedient werden.

Das riesige Metro-Projekt in Riad lässt ausserdem auf baldiges bequemeres Fortbewegen in der Hauptstadt hoffen.



Alkohol

Alkohol gibt es in Saudi-Arabien (zumindest offiziell) nicht.


Heilige Stätten des Islams: Medina und Mekka

Zwei der bedeutendsten Stätten des Islams sind Mekka und Medina in Saudi-Arabien. Für Personen, die nicht dem Islam angehören, ist nur der Besuch Medinas, nicht jedoch Mekkas, gestattet. Das Betreten der Prophetenmoschee al-Masdschid an-Nabawi ist auch in Medina ausschließlich Muslimen vorenthalten.



Gebetszeiten

Im Islam gibt es traditionell fünf Gebetszeiten:

  • Fajr – das Morgengebet vor dem Aufgehen der Sonne

  • Dhur – das Mittagsgebet

  • 'Asr – das Nachmittagsgebet

  • Maghrib – das Gebet nach Sonnenuntergang

  • 'Isha – das Nachtgebet

Die genauen Zeiten findest du hier. Relevanz hat dies auch für Menschen, die dem Gebet nicht nachgehen wollen, insbesondere deshalb, da oft während der Gebetszeiten Läden und Restaurants schließen oder nur wenige Taxis unterwegs sind. Beispielsweise hat der Busfahrer meines City-Sightseeing-Buses in Medina auch angehalten, seinen Gebetsteppich ausgepackt und gebetet.


Vision 2030: Es tut sich was!

Das Land hat in den letzten Jahren verstärkt daran gearbeitet, sein konservatives Image zu verändern und sich als modernes und fortschrittliches Land zu präsentieren. Dies beinhaltet auch die Lockerung einiger sozialer Restriktionen, wie beispielsweise das Ende des Fahrverbots für Frauen im Jahr 2018. Mir wurde auch erzählt, dass es vor wenigen Jahren

noch undenkbar gewesen wäre, dass Frauen alleine oder gar zu zweit auf der Straße unterwegs waren. Dies sei nur in Begleitung eines Mann bzw. ihrer Familie und in größeren Frauengruppen üblich gewesen.


Die Vision 2030 ist ein umfangreiches Reformprogramm, das im Jahr 2016 vom saudischen Kronprinzen Mohammed bin Salman ins Leben gerufen wurde. Ziel der Vision 2030 ist es, Saudi-Arabien wirtschaftlich und gesellschaftlich zu modernisieren und unabhängiger vom Öl zu machen.


Das Reformprogramm ist in drei Säulen unterteilt:

  1. Wirtschaftliche Diversifikation: Saudi-Arabien will sich von der Abhängigkeit vom Öl als Haupteinnahmequelle lösen und seine Wirtschaft breiter aufstellen. Hierzu sollen neue Industrien und Geschäftsfelder erschlossen werden, um neue Arbeitsplätze zu schaffen und das Bruttoinlandsprodukt zu steigern.

  2. Gesellschaftliche Entwicklung: Die Vision 2030 sieht eine Verbesserung der Lebensqualität für die saudische Bevölkerung vor. Hierzu gehören Maßnahmen wie eine bessere Gesundheitsversorgung, eine höhere Bildungsbeteiligung und die Förderung von kulturellen und sportlichen Aktivitäten. Ein lebensnahes Beispiel: Inzwischen gibt es Kinos im Land - bisher mussten Saudis z.B. nach Bahrain ins Kino.

  3. Öffnung des Landes: Saudi-Arabien will sich, wie bereits erwähnt, international stärker öffnen und den Tourismus als wichtige Einnahmequelle erschließen.


Die Vision 2030 soll nicht nur die wirtschaftliche und gesellschaftliche Entwicklung Saudi-Arabiens vorantreiben, sondern auch zu einem Wandel im Denken und Handeln der saudischen Bevölkerung führen. Das Reformprogramm soll dazu beitragen, dass Saudi-Arabien ein modernes und zukunftsorientiertes Land wird, das für seine Einwohner und für Besucher gleichermaßen attraktiv ist. Ich finde, ohne alles romantisieren zu wollen, dass man das durchaus schon spüren kann. Menschen, mit denen ich vor Ort gesprochen habe, sind allerdings geteilter Meinung: Jüngere finden die Entwicklungen durchwegs positiv, ältere ebenfalls, sagen jedoch auch, es ginge fast ein bisschen zu schnell. Ein junger Guide, der in Deutschland lebte und zurück ging, erzählte mir, dass seine Heimat "jetzt gut zum Leben" sei.



Mein Fazit

Saudi-Arabien ist ein absolut faszinierendes Land mit einer reichen Kultur und unglaublicher Gastfreundschaft. Man kann das traditionelle Land ohne Massentourismus erleben - ganz im Gegenteil - was ich persönlich extrem spannend fand. Saudi-Arabien denkt innovativ und zukunftsgewandt. Man kann sich fast nichts vorstellen, was das Land nicht umsetzen würde, wenn man an Projekte wie The Line oder The Mukaab denkt. Obwohl es einige Einschränkungen und Verhaltensregeln gibt, die man als Tourist beachten sollte, wird man eine unvergessliche Reise in diesem Land erleben. Ich komme wieder.


Hast du Fragen? Schreiben mir gerne! Ich werde versuchen, darauf einzugehen.

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