• Bettina

Backpacking in Ägypten - geht das überhaupt?


Von Backpackern in Ägypten hatte ich bisher noch nichts gehört. Das Land ist mehr bekannt für Pauschaltourismus und All-Inclusive-Hotels. Im Allgemeinen hatte ich keine allzu großen Erwartungen, aber in meinem Hinterkopf blieb der unglaubliche Reichtum an Kultur und Geschichte, den Ägypten doch zu bieten haben müsste. Das war am Ende reizvoll genug, um von Tansania einen Flug nach Kairo zu buchen und mich auf eine überraschend großartige Reise zu begeben.

Meine Route durch Ägypten:

A - Kairo

B - Aswan

C - Luxor

D - Scharm el Sheich

E - Nuweiba

Kairo - Hauptstadt Ägyptens

Man fliegt und fliegt und fliegt über Kairo bevor man endlich landet, in der größten Stadt Afrikas. Ich erwarte eine turbulente Hauptstadt, mit vielen Verkäufern und hektischem Treiben, hupenden Verkehrsteilnehmern und drückend heißer Luft. Und genau so kommt es.

Kairo begeistert mich von der ersten Minute. Noch bevor ich aus dem Bus vom Flughafen aussteige, markiere ich alle möglichen Orte, die ich aus dem Fenster sehe, auf meiner Karte. Ich muss hier überall noch einmal hinkommen und Fotos machen, das wird mir sofort klar.

Die meiste Zeit lasse ich mich einfach nur treiben oder besser gesagt schieben - zumindest durch die Gassen mit den Verkaufsständen unweit des Islamischen Viertels.

Wenn die Sonne untergeht, fängt das Leben an. Zwischen der Hussein Moschee und der El Azhar Moschee ist die Hölle los. So viele Eindrücke prasseln auf einen ein, es ist eine andere Welt.

Die Pyramiden von Gizeh hatte ich mir persönlich immer weit entfernt in der Abgeschiedenheit der Wüste vorgestellt. Tatsächlich befinden sie sich direkt an der Stadtgrenze Kairos. Der Eintrittspreis liegt bei 160 EGP (80 EGP für Studenten). Möchte man die Cheops-Pyramide besuchen, so kostet dies weitere 360 EGP (180 EGP für Studenten). Für die etwas kleinere Khafre-Pyramide zahlt man zum Vergleich nur 100 EGP (50 EGP für Studenten). Einmal im Leben eine Pyramide von innen zu sehen würde ich allerdings durchaus empfehlen.

Die Pyramiden können von 8:00 Uhr bis 16:00 Uhr besucht werden. Die Cheops-Pyramide ist von 12:00 Uhr bis 13:00 Uhr geschlossen. Für den Studentenrabatt benötigt man eine Internationale Studenten-ID. In die Pyramiden können keine Kameras mitgenommen werden, Handys jedoch schon. Man kann die Kameras vor der jeweiligen Pyramide abgeben. Der nette Herr wird sicherlich nach Trinkgeld fragen, wenn man sie zurückhaben möchte, aber dies kann man, in meinen Augen, problemlos ablehnen und als den normalen Service ansehen. Sie versuchen es halt.

In Kairo gibt es Hostels, Minibusse, eine Metro und sogar Uber.

>> Backpacken ist nicht das geringste Problem. <<

Auch wenn die meisten Einheimischen hier nicht Englisch sprechen, kommt man zurecht. Ich habe immer wieder hilfsbereite Menschen gefunden, die mir ihre Hilfe anboten.

Kairo ist - bis auf die Pyramiden - nicht super touristisch. In Giseh heißt es aber standhaft bleiben, gut verhandeln, falls man das Areal mit einer Pferdekutsche oder auf dem Rücken eines Kamels besuchen will und die Verkäufer so gut es geht zu ignorieren. Ein "La shukran!" hilft, das bedeutet so viel wie "Nein danke!".

Vom Flughafen ins Zentrum fahren Busse. Vor dem Ankunftsterminal fährt ein kostenloser Airport-Shuttle (blauer Bus) zu einem Busbahnhof. Für nur 8 EGP nimmt man einen kleinen Bus (blau - grün - weiß, klimatisiert) ins Zentrum. Eine Taxifahrt kostet in etwa 80 EGP. Den Preis sollte man auf jeden Fall im Vorfeld aushandeln.

Vom Zentrum zu den Pyramiden fahren ebenfalls Minibusse bzw. die Metro bis Giza und von dort entweder weiter per Minibus (nicht bis komplett zu den Pyramiden, aber keine weite Strecke zu Fuß) oder per Taxi.

Von Kairo nach Aswan oder Luxor gelangt man am unkompliziertesten mit dem Zug. Zugegeben, ein Ticket hätte ich am Bahnhof in Kairo unmöglich alleine kaufen können, ich hatte aber einen sehr geduldigen Ägypter kennengelernt, der das für mich übernommen hat. Alle Schilder sind ausschließlich in arabischer Schrift, das Personal am Schalter spricht kein Englisch. Weder Abfahrtszeiten noch Ziele waren für mich lesbar. Der Zug kostet bis Aswan 235 EGP in der 1. Klasse und benötigt ca. 14 Stunden. Dies entspricht (Stand 5/2019) etwa 12,24 €. Es gibt auch einen Nachtzug mit privatem Schlafabteil für 110 USD. Kann man machen, muss man aber auch nicht. Informationen zu dieser teureren, aber luxuriöseren Alternative findest du hier.

Magisches Aswan

Aswan, die bezaubernde Stadt am Nil zählt zu meinen Highlights in Ägypten. Zum einen habe ich hier zwei tolle Tage auf einer Feluke und zum anderen kann man die goldigen nubischen Dörfer am Westufer besichtigen.

Diese waren noch nicht immer so bunt und Instagram-tauglich, erst in den letzten zehn Jahren kam das auf, erzählt man mir. Schön anzuschauen sind sie und einen Besuch mit dem Motorboot auf jeden Fall wert.

Kapitän Ali lädt mich direkt nach dem Ausflug zum Abendessen zu seiner Familie ein. Und weil alles so unglaublich nett ist beschließe ich, am nächsten Tag mit ihm einen Ausflug auf seiner Feluke zu unternehmen. Dass sich alles noch ganz anderes entwickeln würde und ich am Ende einen zweitägigen Trip ergatterte, weiß ich zu dem Zeitpunkt nicht.

Den ausführlichen Artikel findest du hier.

Kontakt:

Ali Abouda

+20 11 586 254 72

nilefeluka@hotmail.com

Meine Unterkunft in Aswan:

Auf der Insel Elephantine finde ich dieses wahnsinnig hübsche, kleine Guesthouse: das Baba Dool. Ich kann es absolut empfehlen, man hat einen Ausblick direkt auf den Nil, das Personal spricht Englisch und bietet auch die Vermittlung von Touren (z. B. nach Abu Simbel) an. Das Frühstück ist traditionell ägyptisch und sehr lecker. Eine günstiges Fährboot verkehrt ständig. Der Weg zur Unterkunft ist ausgeschildert, aber etwas sonderbar.

Zur Buchung gelangst du hier.

Von Aswan nach Luxor gibt es Busse, sowie eine gute Zugverbindung. Ich bin in der 1. Klasse mit dem Zug für 51 EGP (etwa 2,66 €) gefahren.

Kulturelles Highlight luxor

Tempel über Tempel, wohin das Auge reicht. Ob inmitten der Stadt oder am Westufer, die über 3.000 Jahre alten Relikte umzingeln die Stadt Luxor. Am einfachsten ist es hier tatsächlich, mit einer geführten Tour die Sehenswürdigkeiten abzuklappern. Eine gute Alternative kann ich nicht herausfinden.

Für die Fahrt und einen Guide zu folgenden Orten zahle ich über mein Hostel 350 EGP zuzüglich Eintrittsgelder:

  • Al Deir Al Bahari Tempel (100 EGP)

  • Tal der Könige (200 EGP - ohne Fotoberechtigung)

  • Medinet Habu Tempel (80 EGP)

  • Karnak Tempel (150 EGP)

Im Tal der Könige kann man mit dem Ticket drei Gräber besuchen. Fotos sind nur dann erlaubt, wenn man für etwa 15 € extra ein gesondertes Ticket kauft, was ich nicht getan habe.

Am schönsten finde ich den Medinet Habu Tempel. All die Details und gut erhaltenen Farben sind jedoch überall toll. Müsste ich zwischen Westbank (Al Deir Al Bahari Tempel, Tal der Könige, Medinet Habu Tempel) und Eastbank (Karnak Tempel) entscheiden, würde ich klar zu Westbank tendieren. Eastbank ist allerdings wesentlich leichter und auch ohne Tour erreichbar.

Studenten zahlen auch hier mit einer Internationalen Studenten-ID überall den halben Eintrittspreis.

Von Luxor nach Scharm el Sheich fährt um 17:00 Uhr ein Bus für 250 EGP. Er kommt nach etwa 17,5 Stunden an. Auf der gesamten Sinai-Halbinsel wird immer wieder zu Gepäck- und Ausweiskontrollen aufgefordert. Ein Problem ist das aber nicht, es kostet nur Zeit.

Scharm el Sheich sagt mir persönlich gar nicht zu und so fahre ich direkt am nächsten Tag mit dem Bus nach Nuweiba (65 EGP), um von dort die Fähre nach Jordanien zu nehmen. Die Abfahrt hierfür ist um 9:00 Uhr. Die Fahrtzeit beträgt ca. drei Stunden. Die Fähre um 13:00 Uhr sollte man daher erreichen können. Ich habe es geschafft.

Bezahlen in Ägypten

Grundsätzlich ist man gut beraten, in Ägypten Bargeld zu haben. Mit der Kreditkarte kommt man höchstens in den größeren Hotels oder in Restaurants in den Touristenorten zurecht. Geldautomaten sind ausreichend vorhanden.

Visum für deutsche Staatsangehörige

Das Visum bekommt man am Flughafen in Kairo problemlos bei der Einreise. Hierfür geht man vor der Passkontrolle zu einem der vielen Bankschalter und kauft es dort für 25 USD (wirklich Dollar haben!).

Wie du siehst macht es einem Ägypten nicht besonders schwer. Lebensmittel und Transport sind sehr günstig, Eintritte kosten durchaus ein paar Pfund, bei allem anderen ist Verhandlungsgeschick gefragt. Ich hätte nicht gedacht, dass mich Ägypten so überzeugt.

#Ägypten #Weltreise #Afrika #Backpacking

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